Stand 21.05.2022

Schon seit ein paar Wochen sind immer mal wieder ein oder zwei Nonnengänse im Renaturierungsbereich zu beobachten. Nonnen- oder Weißwangengänse sind ähnlich wie Kanadagänse durch schwarz-weiße Kontraste und Graustufen in ihrem Federkleid gekennzeichnet. Nonnengänse sind aber sehr viel kleiner als Kanadagänse. Sie wirken im Vergleich auch durch ihren kurzen Schnabel regelrecht zierlich.

Ursprünglich brüteten Nonnengänse ausschließlcih an der russischen Eismeerküste und kamen bei uns und in den Niederlanden im Winter in großen Schwärmen an den Küsten vor. Seit ca. 40 Jahren dehnen die Nonnengänse ihr Brutgebiet aber aus. Inzwischen haben sie sogar schon den mitteleuropäischen Ostseeraum besiedelt. Regelmäßig kommen Nonnengänse inzwischen zur Überwinterung ins deutsche Binnenland. Dabei sind Flußauen und Feuchtgebiete die wichtigsten Überwinterungslebensräume.

Beobachtungen von Nonnengänsen im Binnenland spät im Mai sind eigentlich eher die Ausnahme. Vielleicht zeigt sich bereits eine weitere Ausbreitung dieser interessanten Gänseart.

Entwicklung und Besiedlung

Eine Nonnengans sucht zwischen jungen Erlen in der Lipperenaturierung Nahrung.

 
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Im Profil sind die weißen Wangen sehr gut zu erkennen.

 
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Wasser zum Trinken und Baden gibt es an der Lippe genug.

 
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Im Flug zeigen sich der zierliche Körperbau und die feine Gefiederzeichnung.

 
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Ein Trupp Nonnengänse im Überwinterungsgebiet an der Küste.

 
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Grünschenkel rasten auf einer Kiesbank in der Renaturierung.

 
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Mit ihren langen Beinen können Grünschenkel auch in etwas tieferem Wasser jagen.

 
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Im Wasser schreitend entgeht ihnen keine Bewegung einer möglichen Beute.

 
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Der lange Schnabel kann geschickt wie eine Pinzette eingesetzt werden.

 
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Grünschenkel fressen eine stark wasserhaltige Nahrung und haben einen schnellen Stoffumsatz. Die Ausscheidung von Urin und Kot erfolgt zusammen durch die sog. Kloake. Die weiße Farbe entsteht durch Harnstoffkristalle.

 

Stand 11.05.2022

Sehr lange, grüne Beine und relativ langer Schnabel: Grünschenkel gehören zu den Watvogelarten, die bei der Nahrungssuche auch in etwas tieferes Wasser gehen können. Im Renaturierungsbereich der Lippe halten sich während des Frühjahreszuges Grünschenkel einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Sie baden, ruhen und fressen. Dabei profitieren sie von dem reichen Angebot an Larven, Würmern und Schnecken. Sie jagen aber durchaus auch kleine Fische in Ufernähe.

Schon in wenigen Tagen werden die Grünschenkel weiterziehen in ihre Brutgebiete in den Tundren Skandinaviens und Sibiriens. Dabei bleiben die Weibchen mesitens noch etwas länger an ergiebigen Raststellen, während die Männchen schneller in die Brutgebiete ziehen.

Stand 03.05.2022

Kampfläufer sind eine der zahlreichen Watvogelarten, die den Renaturierungsbereich der Lippe als Tankstelle zur Nahrungssuche während des Vogelzugs nutzen. Kampfläufer brüten in Feuchtwiesen, Mooren, Tundren und Seggenwiesen. In Deutschland gibt es nur noch kleine Reliktbrutbestände dieser Art. Brutschwerpunkte sind Russland und die skandinavischen Länder.

Kampfläufer überwintern südlich der Sahara in Afrika und im Süden Asiens. Sie sind also Langstreckenzieher, die während des Zuges auf feuchte und nahrungsreiche Rastgebiete angewiesen sind. Und diese Bedingungen werden an der Lippe unterhalb Sande bestens erfüllt. Die rastenden Tiere suchen dort Insektenlarven, Würmer und Schnecken in den flachen Wasserwechselzonen.

Bekannt sind die Kampfläufer durch ihre auffällige Balz, bei der die eher unscheinbar gefärbten Weibchen die in Gruppen springenden und Scheingefechte ausführenden, prächtig gefärbten Männchen beobachten. Letztlich entscheiden die Weibchen bei der Partnerwahl.

In der Lippeaue halten sich Kampfläufer im Frühjahr während des Zuges als Einzeltiere oder in kleinen Gruppen auf. Bereits nach einigen Tagen machen sie sich weiter auf den Weg in ihre Brutgebiete. Bei den erwachsenen Männchen sind die bunten Halskrausen (Prachtkleid) noch nicht vollständig ausgeprägt.

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Kampfläufer-Weibchen auf einer Kiesinsel in der Lipperenaturierung.

 
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Kampfläufer im Jugendkleid in einer Blänke.

 
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Kampfläufer-Männchen mit weißer Halskrause (beginnendes Prachtkleid) bei der Nahrungssuche auf einer Kiesinsel.

 
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Kampfläufer-Männchen mit schwarzbrauner Halskrause.

 
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Kampfläufer-Männchen mit beginnender Prachtkleidentwicklung in einer Feuchtwiese.

 
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Dicht gelagerte Schichten aus Kies und Sand waren bei den Gestaltungsmaßnahmen an vielen Stellen zutage getreten.

 
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Im flachen Wasser hat sich ein Mosaik aus Kies und Sand gebildet.

 
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Rippelmarken im Sand - die Grenze zwischen Wasser und Land verändert sich ständig.

 
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Großflächige Sandbank mit sichelförmiger Übersandung.

 
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Dunkler, lehmiger Sand wird von hellem, nährstoffarmen Sand überdeckt.

 

Stand 19.04.2022

Flußregenpfeifer und Kiebitze sind inzwischen aus ihren Überwinterungsgebieten in den Renaturierungsbereich zurückgekehrt. Sie balzen und grenzen ihre Reviere ab. Bald werden sie mit der Brut auf den Sand- und Kiesbänken beginnen. Um die Gelege nicht zu zerstören, müssen wir Menschen Abstand wahren. Eine gute Möglichkeit, dennoch die neu entstandenen Auenstrukturen etwas näher zu betrachten, bieten die hier gezeigten aktuellen Fotos.

Bei der Durchführung der Renaturierungsmaßnahmen waren im Bereich von Steilufergestaltungen viele verschiedene Sedimentschichten in der Aue der Lipp aufgefallen. Kiese und unterschiedlich gefärbte Sande wechselten sich in dichter Überlagerung ab. Wie sind diese vielen verschiedenen Sedimentschichten entstanden?

Nach dem ersten Winter zeigt uns die neue Lippe bereits die Antwort! Im Bereich von flach überströmten Stellen wechseln sich Kiese und Sande ab. Sandbänke zeigen großflächig sog. Rippelmarken, die durch Überströmung im Winter entstanden sind. Es haben sich ausgedehnte Wasserwechselzonen gebildet, bei denen es keine klare Grenze zwischen Wasser und Land gibt.

Je nach Herkunft, Lehm- und Schwebstoffgehalt haben sich unterschiedlich gefärbte Sandschichten abgelagert. Nach dem Ablauf einer ersten Abflussspitze hatte sich bereits eine großflächige Sandanlandung gebildet, die bei einer zweiten Hochwasserwelle teilweise von einer 10 bis 15 cm starken weiteren Sandschicht überdeckt wurde.

Genau diese nun wiedergewonnene Eigendynamik von Fluss und Aue hat auch schon in historischen Zeiten, lange vor dem technischen Ausbau der Lippe, die vielfältigen Schichtenmuster von Sanden und Kiesen hervorgebracht.

Das Video zeigt zwei Flüge über den Renaturierungsbereich im Abstand von einem Monat.

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Blick von Westen über den Renaturierungsbereich; im Hintergrund der Lippesee.

 
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Der erste große Mäanderbogen der renaturierten Lippe.

 
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Sande und Kiese sind auf der Gewässersohle verlagert worden.

 
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Große Anlandungen hat es im mittleren Renaturierungsbereich gegeben.

 
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Mehrere Sedimentschichten haben sich übereinander gelegt.

 

Stand 23.03.2022

Einen Monat nach den erhöhten Abflüssen ist der Pegelstand der Lippe im Vergleich zu den Maximalwerten des Februar wieder um ca. 1,3 m gefallen. Bei einem Abflusswert zwischen Mittel- und Niedrigwasser ist zu erwarten, dass es im Renaturierungsbereich ganz neue Strukturen zu entdecken gibt. Bedingt durch die größeren Strömungsgeschwindigkeiten dürften sich größere eigendynamische Veränderungen in der Flussaue ergeben haben. Anlass genug für einen kurzen Drohnenflug!

Aus der Luft betrachtet fällt zunächst auf, dass noch immer große Teile der neu geschaffenen Sekundäraue vernässt sind. Das entspricht ganz den Zielen der Maßnahme, da die Lebensräume naturnaher Auen auf lang andauernde Überstauungen angewiesen sind.

Zum anderen wird deutlich, dass es durch die erhöhten Abflüsse keine größeren Laufveränderungen der neuen Lippe gegeben hat. Uferabbrüche und Anlandungen haben sich zwar an sehr vielen Stellen eingestellt. Verlagerungen von Flussschlingen oder Durchbrüche und Laufverkürzungen sind aber nicht zu beobachten.

Bei genauerer Betrachtung fallen dann aber umfangreiche eigendynamische Veränderungen durch Erosionen und Anlandungen im Bereich der Flusssohle und an Flussinseln auf. Ganz besonders im mittleren Abschnitt der Renaturierung sind im Gleithangbereiche gewaltige Anlandungen von Sand und Kies entstanden. Zu erkennen sind mehrere sich überlagende Sedimentschichten, die die zuvor ausgebildete Aue komplett überlagert haben.

Es wird sehr spannend sein, in den nächsten Wochen zu beobachten, wie sich diese neu entstandenen Sedimentbänke entwickeln und von welchen Arten sie besiedelt werden.

Stand 23.02.2022

Nach erneuten kräftigen Niederschlägen ist der Pegel der Lippe wiederum angestiegen. Mit einem Maximalstand von 2,43 m ereichte der Pegelstand einen Wert, der fast 40 cm höher als am 7.2.22 war.

Bei guten Licht- und Witterungsbedingungen konnte am 23.2.22 ein Drohnenflug über dem Renaturierungsbereich durchgeführt werden. Die Ergebnisse zeigen eine fast vollständig eingestaute Sekundäraue. Anhand unterschiedlicher Farben und Strömungsmuster lassen sich sich verschiedene Wassertiefen und Strömungsgeschwindigkeiten erkennen.

Die neu gestaltete Aue führt trotz der vorgenommenen Sohlanhebung der Lippe auch diese großen Wassermassen völlig problemlos ab.

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Blick über den Renaturierungsbereich nach Westen (im Hintergrund der Heddinghauser See)

 
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Blick von Westen in Richtung Sander und Lippesee.

 
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Rechts im Bild ist die Lippe zu sehen, nachdem sie mit der überwiegenden Wassermenge den Lippesee in der Umflut umströmt hat. Links im Bild wird die bei Hochwasser in den Lippesee abgeschlagene Teilmenge der Lippe vom See in den Renaturierungsbereich abgeleitet.

 
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Das aus dem See kommende Wasser ist deutlich klarer, weil sich viele Schwebstoffe bei der Seepassage absetzen konnten.

 
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Verlauf der Pegeldaten innerhalb des letzten Monats.

 
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Die Sekundäraue ist großflächig eingestaut. Die meisten Inseln und Sturzbäume werden überspült.

 
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Diese Abdämmung wurde in den früher ausgebauten Verlauf der Lippe eingezogen und damit eine deutliche Laufverlängerung ermöglicht. Die Lippe kommt von rechts, fließt in einem großen Bogen um die Halbinsel im Hintergrund herum und strömt dann weiter nach links. Aufgrund des Talgefälles ergibt sich ein Unterschied in den Wasserspiegeln links und rechts der flach überströmten Abdämmung von ca. 10 cm.

 
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Hier wäre bei geringeren Abflüssen die Sohlgleite zu sehen.

 

Stand 07.02.2022

In den letzten Wochen hat es teilweise ergiebige Regenmengen gegeben. Dadurch sind die Abflussmengen in der Lippe deutlich angestiegen. Eine Auswertung des Pegels Bentfeld, der ca. 2 km unterhalb der Renaturierung die Abflussmenge in der Lippe bestimmt, zeigt einen kontinuierlichen Anstieg innerhalb der letzten 4 Wochen (Quelle: LANUV NRW).

Am 7. Februar war offenbar der Scheitelpunkt erreicht, der mit ca. 2,10 m ungefähr 70 cm über dem Pegelwert des mittleren Abflusses lag. Das ist zwar der höchste Pegelwert seit der Inbetriebnahme der Renaturierung. Damit ist aber noch längst kein ausgesprochenes Hochwasser gegeben. Es handelt sich lediglich um einen etwas erhöhten Abfluss, wie er besonders im Winter regelmäßig vorkommt. Trotzdem ist es interessant, sich ein paar Eindrücke aus dem Renaturierungsbereich zu verschaffen.

Bereits ab dem Mittelwasserpegel hat die Lippe angefangen, die neu gestaltete Sekundäraue zu überfluten. Bei der nun erreichten deutlich größeren Abflussmenge ist die Sekundäraue bereits vollständig eingestaut. Es hat sich eine geschlossene Wasserfläche in einer Breite von bis zu 120 m gebildet. Die unter Wasser vorhandenen Inseln und Kiesbänke sind ebenso wie viele Sturzbäume nur noch anhand von Strömungsmustern und Turbulenzen zu erkennen.

Die Querriegel, die zur Laufverlängerung und Abdämmung des alten Lippeverlaufes eingebaut worden sind, werden bereits knapp überspült. Die Sohlgleite am westlichen Ende der Renaturierung ist schon vollständig überstaut. Im Bereich einiger Steilufer stellen sich verstärkt Uferabbrüche ein.

Insgesamt gesehen sind die Verhältnisse in der Renaturierung wie geplant und völlig unproblematisch. Die erhöhten Abflüsse werden die Eigendynamik der renaturierten Lippe verstärken. Aufgrund der sehr vielfältigen Wassertiefen und Strömungsgeschwindigkeiten haben Fische und andere Tiere trotzdem sehr gute Möglichkeiten, in der Renaturierung zu überleben.

Ganz anders sieht das dagegen in unterhalb liegenden Abschnitten der Lippe aus, die sich noch im Ausbauzustand befinden. Dort können die größeren Abflussmengen sich nicht seitlich in die Aue verlagern. Das ausgebaute Profil ist so leistungsfähig, dass zwar der Wasserstand und die Strömungsgeschwindigkeit steigen. Ein Ausuferung findet aber nicht statt. Die Breite der Wasserfläche bleibt durchgehend bei 15 - 20 m. Flach überströmte und strömungsberuhigte Bereiche gibt es nicht. Kiese und Sande können sich bei den großen Fließgeschwindigkeiten nicht auf der Gewässersohle ablagern. Sie werden weiter transportiert und fehlen als wichtiges Siedlungssubstrat für typische Tier- und Pflanzenarten.

Stand 04.01.2022

Vor ca. 15 Jahren wurden im Zuge der Errichtung der Lippeseeumflut in der Lippeaue unterhalb der B 64 drei Mulden ausgeschoben, die bei einer zukünftigen Flussrenaturierung in eine naturnahe Auenentwicklung einbezogen werden sollten. In der nebenstehenden Übersicht werden diese Mulden als Blänken bezeichnet und ebenso wie die früher begradigte Lippe mit schwarzen Umrissen gekennzeichnet.

Da das Lippeprofil im Ausbauzustand sehr tief in das Gelände eingeschnitten war, wurden die Mulden in der Vergangenheit nur sehr selten und kurz mit Wasser eingestaut. Einige Weiden- und Erlengehölze sowie Röhrichtbestände entwickelten sich.

Bei der nun erfolgten Renaturierung wurde die Lippesohle angehoben. Ganz bewusst wurden die nördlichen Spitzen der zwei nierenförmigen Mulden durch den neuen Lippeverlauf angeschnitten. Eine häufigere und längere Befeuchtung und eine bessere Verbindung zwischen Fluss und Auenlebensräumen sollen so erreicht werden.

Ca. ein Jahr nach Durchführung der Laufverlängerungen der Lippe zeigt sich, dass diese Ziele erreicht werden: Sobald die Abflussmenge der Lippe ca. Mittelwasser erreicht oder überschreitet, findet ein Einstau der Mulden statt. In der Folge stehen Erlen, Weiden und Schilfröhrichte ca. 80 Tage pro Jahr im Wasser. Und genau das braucht ein naturnaher Auwaldstandort. Amphibien, Vögel, Insektenarten und einige Fischarten sind auf solche Lebensräume angewiesen, die noch feucht sind, wenn es anderswo längst wieder staubtrocken geworden ist.

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Luftbild der Renaturierung mit eingeblendetem ausgebauten Lippeverlauf und den drei Mulden.

 
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Weiden und Erlen sind an lang anhaltende Überstauungen gut angepasst.

 
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In den Mulden hat sich ein Mosaik aus Gebüsch, Röhricht und offenen Wasserflächen entwickelt.

 
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Eine der neuen Informationstafeln im Bereich der Lipperenaturierung

 

Stand 15.12.2021

Der Renaturierungsbereich der Lippe unterhalb Sande liegt innerhalb des Naturschutzgebietes Lippeniederung. In diesem Schutzgebiet sollen die dort vorkommenden Arten und Lebensgemeinschaften vor Störungen geschützt und erhalten werden.

Schon in den wenigen Monaten nach Abschluss der Renaturierungsarbeiten hat sich gezeigt, dass durch die Maßnahmen eine enge Verzahnung von Fluss und Aue erreicht werden konnte. Typische Arten habe sich bereits neu angesiedelt und fortgepflanzt. Zukünftig ist mit einer weiteren sehr naturnahen Entwicklung des Gebietes zu rechnen.

Um auf die Empfindlichkeit und Schutzbedürftigkeit der Lebensräume hinzuweisen, wurden jetzt an vier exponierten Stellen an der äußeren Grenze des Gebietes Informationstafeln aufgestellt. Diese zeigen die Ziele der Renaturierung auf und weisen darauf hin, Störungen und Beeinträchtigungen zu unterlassen. Die Informationstafeln stellen einen weiteren Baustein in der Besucherlenkung zur Ruhigstellung des Gebietes dar. Sie werden ergänzt durch vier weitere Infotafeln, die entlang des Verlaufes der Lippeseeumflut über die Ziele und die Entwicklung der dortigen Lippe Einblicke vermitteln.

Stand 09.11.2021

In der Abenddämmerung zeichnen sich bei seitlichem Streiflicht die entstandenen Strömungsmuster der neuen Lippe besonders gut ab. Diese Strömungsvielfalt wird durch unterschiedliche Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten und Substrate verursacht. Und sie befindet sich in ständiger Veränderung, weil die Lippe Kiese und Sande umlagert, Wasserpflanzenpolster wachsen und Totholz verlagert oder angeschwemmt wird.

Solche Strömungsmuster haben in der ausgebauten Lippe vor der Renaturierung keinen Platz gehabt. Die nun entstandene Vielfalt eines naturnahen Flusses ist jedoch extrem wichtig, weil sie Fischen und Kleinlebewesen, aber auch typischen Pflanzen- und Vogelarten ermöglicht, für jede Phase des Lebenszyklus genau die erforderlichen Lebensraumbedingungen zu finden. Äschen beispielsweise laichen über turbulent überströmten Kiesbänken ab. Die Eier entwickeln sich im Lückensystem der Kiessohle. Die jungen Äschen wachsen nach dem Schlupf in weniger turbulent durchströmten Gumpen (Pools) heran. Größere Äschen stehen im Freiwasser und zwischen Wasserpflanzenpolstern, um dort Nahrung und Deckung zu suchen.

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Strömungsmuster der neuen Lippe in der herbstlichen Abenddämmerung

Stand 25.10.2021

Derzeit gibt es in der Lippe aufgrund der geringen Niederschläge der letzten Wochen stark ausgeprägte Niedrigwasserabflüsse. Ein wichtiges Ziel der Renaturierung ist es, auch zu solchen Zeiten Teilflächen der neuen Aue weiter feucht zu halten und mit dem Fluss zu vernetzen. Und das funktioniert: Nach wie vor zeigt die Vogelperspektive neben der Lippe selbst ein vielfältiges Mosaik von Flutmulden, Blänken und altarmähnlichen Strukturen.

In großem Umfang entwickeln inzwischen sich Wasserpflanzen im Renaturierungsbereich. Es handelt sich insbesondere um die für die obere Lippe typischen Arten Flutender Wasserhahnenfuß, Wasserehrenpreis und Wasserstern. Die Wasserpflanzen bilden teilweise dichte Polster, in denen sich die Arten vermischen.

Die Besiedlung erfolgt offenbar vorwiegend mit der fließenden Welle von der Lippeseeumflut aus. Die größten Wasserpflanzenbestände haben sich derzeit unterhalb der B 64 entwickelt. An vielen Stellen haben sich in der weiteren Renaturierung mehr oder weniger große Initialbeständen gebildet.

Diese Wasserpflanzenpolster haben eine große Bedeutung für die vorkommenden Fischarten und auch für die zahlreichen Kleinlebewesen, die den Fluss besiedeln.

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Auch bei Niedrigwasserabflüssen sind noch weite Teile der Aue überstaut (Blick nach Westen).

 
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Vogelperspektive nach Osten; im Hintergrund der Lippesee.

 
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Dichte Wasserpflanzenpolster haben sich unterhalb der B 64 entwickelt.

 
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In der weiteren Renaturierung haben sich an vielen Stellen Wasserpflanzeninitiale angesiedelt.

 

Stand 18.09.2021

Der Auwald der Zukunft entwickelt sich bereits! An vielen Stellen in der Renaturierung hat die natürliche Besiedlung mit Pflanzenbewuchs längst begonnen. Durch das Wasser der Lippe sind Samen von verschiedenen Pflanzenarten angeschwemmt worden. Sofern die Bedingungen gepasst haben, sind nach der Keimung kleine Jungpflanzen und inzwischen schon nennenswerter Bewuchs entstanden.

Nach wie vor gibt es aber in vielen Teilbereichen auch noch sandige und kiesige Rohböden. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Umfang sich die erste Pioniervegetation halten und weiter entwickeln kann. Teilweise wird sie sicher im nächsten Winter bei höheren Abflüssen abgeschwemmt oder mit Sedimenten überdeckt werden.

Aber der Anfang zur Auwaldentwicklung ist bereits jetzt, wenige Monate noch der Umsetzung der Renaturierung, gemacht.

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Junge Schwarz-Erlen besiedelen in lückiger Formation eine Kiesbank.

 
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In einer flachen Mulde mit Feinsubstraten hat sich eine Gruppe von Weidenjungpflanzen angesiedelt.

 
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Hier wächst noch kein Gehölz, sondern eine Wasser-Minze, die mit weiten Ausläufern Halt im lockeren Sand sucht.

 
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In einer frisch durchspülten Sandmulde kann die Vegetation noch nicht Fuß fassen.

 
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Eine flache Kiesinsel hat sich in der renaturierten Lippe gebildet.

 
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Neben der Insel ist das Wasser sehr flach und turbulent.

 
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Fast die komplette Sohle des Flusses ist mit einer dicken Schicht aus unterschiedlich geformten Kieseln überdeckt.

 
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Viele der Steine sind schon besiedelt worden; in diesem Fall von einigen Köcherfliegenlarven, die sich schützende Behausungen aus kleinen Steinchen gebaut haben.

 
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Auch Wasserpflanzen haben den Bereich schon besiedelt; hier im Bild ein Mischbestand aus Flutendem Wasserhahnenfuß, Wasserstern und Wasser-Ehrenpreis.

 

Stand 25.08.2021

Bei dem derzeit niedrigen Wasserstand sind an vielen Stellen in dem Renaturierungsbereich flache Kiesbänke aufgetaucht. Die Lippe ist im Bereich Sande ein kiesgeprägter Fluss. Durch die Renaturierung hat sie wieder die Möglichkeit, die natürlicherweise vorkommenden Kiese in der Strömung umzulagern. Aber wie sieht es eigentlich unter Wasser aus?

In der besonders in flachen Bereichen turbulenten Strömung hat sich in weiten Teilflächen eine durchgehende Kiessohle entwickelt. Zwischen den Kieseln unterschiedlicher Größe und Form hat gibt es ein gut durchspültes und mit sauerstoffreichem Wasser versorgtes Lückensystem. Dieses ist wichtig für die Besiedlung der Flusssohle durch Krebse, Schnecken, Insektenlarven und Jungfische.

Aber auch typische Pflanzenarten haben sich schon angesiedelt. Sie haften mit ihren Wurzeln zwischen und auf den Steinen. Dadurch finden sie ausreichend Halt in der Strömung. Diese im Wasser flottierenden Pflanzenbestände wiederum bieten Fischen und anderen Arten hervorragende Deckungsmöglichkeiten.

Stand 10.08.2021

Im Gelände sind Bekassinen meistens nicht leicht zu entdecken. Sie sind recht scheu und mit ihrer braunen Gefiederfarbe gut getarnt. Außerdem verstecken sie sich bei Gefahr oder Störungen gerne regungslos in der Vegetation.

In der Lipperenaturierung machen derzeit einige Bekassinen Rast. Die Böden im Wasserwechselbereich und im Flachwasser sind weich und stocherfähig. Hier können die Tiere mit ihren langen Schnäbeln systematisch nach Würmern und Insektenlarven suchen. An der Schnabelspitze haben sie Sinneszellen, mit denen sie Nahrung im Boden ertasten können. Der lange Schnabel kann an der Spitze wie eine Pinzette geöffnet werden.

Die Bekassinen fnden an der Lippe Nahrung, Ruhe und Möglichkeiten zum Baden und Putzen als Stärkung für den Weiterflug in ihr Winterquartier.

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Ziemlich unauffällig - zwei Bekassinen in der schütteren Ufervegetation der Lippe.

 
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Mit dem langen Schnabel wird bei der Nahrungssuche kräftig gestochert.

 
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Immer an der Grenze zwischen Wasser und Land am Ufer entlang.

 
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Nach dem Bad darf die Gefiederpflege nicht zu kurz kommen.

 
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Blick von Westen über die Renaturierung. Bei dem vorherrschenden Niedrigwasserabfluss ist die Blänke im Vordergrund links vom Flusslauf der Lippe fast vollständig abgetrennt. Trotzdem sind auch bei diesem niedrigen Wasserstand immer noch große Teile der neuen Flussaue überstaut.

 
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Inseln aus Kies und Sand haben sich gebildet und entstehen immer noch neu. Einige Totholzeinbauten und enge Initialgestaltungen haben ausgereicht, um eine gewaltige Eigendynamik der Lippe anzuregen.

 
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Hier hat sich eine regelrechte Furt aus Kiesauflandungen gebildet, die sehr flach und turbulent überströmt werden.

 

Stand 30.07.2021

Innerhalb von ca. 4 Monaten hat sich in der Renaturierung ein vielfältiges Mosaik aus fließenden und stehenden Wasserflächen, Sanden und Kiesen sowie aus Pionierbewuchs verschiedener Pflanzen entwickelt. Aus der Luft betrachtet zeigt sich fast ein verwirrendes Bild: Wo fließt eigentlich die neue Lippe? Und sah das nicht vor Kurzem noch ganz anders aus?

Einige wenige Abflussereignisse, die kurzzeitig im Bereich Mittelwassermenge oder etwas darüber lagen, haben gereicht, um nach der Initialgestaltung den Eindruck einer Gewässerbaustelle fast völlig verschwinden zu lassen.

Die Lippe hat es sich in ihrer neuen (alten) Aue richtig gemütlich gemacht!

Stand 13.07.2021

Was Eigendynamik in einer renaturierten Flussaue bedeutet, kann man in den folgenden Fotos erkennen. Es handelt sich um Senkrechtaufnahmen aus der Lipperenaturierung, die aus einer Höhe von 60 m mit einer Drohne aufgenommen wurden.

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Der Flusslauf der Lippe hat sich in ein Haupt- und ein Nebengerinne aufgeteilt. Eine Insel aus Sanden und Kiesen trennt die beiden Gewässerteilflächen. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Insel selbst durch weitere kleinere Nebenrinnen unterteilt ist. Je nach Wasserstand werden mehr oder weniger große Teilflächen überströmt.

 
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Das Foto zeigt eindrucksvoll, dass sich bedingt durch unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten helle Kiese, gelbliche Sande und dunkle Feinsedimente sehr differenziert abgelagert haben. Dadurch sind beste Voraussetzungen für eine Besiedlung durch die verschiedenen Fisch- und Benthosarten gegeben.

 
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An dieser Stelle hat die Lippe quer über die gesamte Flussbreite große Mengen Kies abgelagert, die teilweise als Insel aus dem Wasser ragen, z. T. aber auch recht turbulent überströmt werden. Bemerkenswert sind auch die sehr unterschiedlichen Wassertiefen und Strömungsmuster auf kleinem Raum.

 
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Junger Kiebitz an der Uferlinie.

 
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Das Kiebitzweibchen ist immer wachsam.

 
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Irgendwie ist es zu zweit auf einer Kiesbank am schönsten...

 

Stand 03.07.2021

Die jungen Kiebitze sind schon kräftig gewachsen. Sie laufen gezielt die Wasserwechselzone in der Renaturierung ab und picken unentwegt kleine Insekten, Schnecken und Würmer. Die Eltern sind immer in der Nähe, passen auf und stoßen bei Gefahr Warnlaute aus. Dann ducken sich die Jungen weg und verschmelzen mit dem Untergrund.

Die Austernfischer fühlen sich offenbar wohl in der Lippeaue. Nach der Nahrungssuche kann man in einer Brutpause ganz entspannt auf einer Kiesbank "abhängen".

Stand 21.06.2021


 

Mindestens 8 Brutpaare Flussregenpfeifer haben die neu entstandenen Kiesinseln und Sandbänke der Renaturierung besiedelt. Sie finden hier reichlich Nahrung (kleine Insekten, Würmer und Larven), grenzen ihre Reviere ab und balzen intensiv.

 

Zwei Kiebitzpaare haben ihre Jungen in die Lippeaue geführt. Währen die Etern aufpassen, können die Küken hier in aller Ruhe fressen und wachsen.

 

Austernfischer haben mit einem Brutpaar die Renaturierung besiedelt. Die Lippeaue bietet alles, was sie brauchen: Nahrung, Plätze zum Baden und Ruhen, Schutz. Mit ihren langen Beinen und Schnäbeln sind sie bestens für ein Leben im Flachwasser und der Wasserwechselzone ausgestattet.

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Unmittelbar nach Abschluss der Gestaltungsmaßnahmen haben weit über 100 Uferschwalben-Brutpaare die Steilufer der Renaturierung besiedelt. Sie graben dort ihre Brutröhren in die sandigen Steilwände und profitieren von dem reichen Insektenaufkommen in der Lippe. Auch bei kühlen Temperaturen und schlechtem Wetter schlüpfen hier immer große Mengen von Eintagsfliegen, Köcherfliegen etc.

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Blick über die Renaturierung in Richtung Westen, im Hintergrund ist der Heddinghauser See zu erkennen. Deutlich werden das vielgestaltige und breite Hauptgerinne der Lippe und die zahlreichen überstauten Auenflächen.

 
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Das Senkrechtbild eines Ausschnittes der Renaturierung zeigt die enorme Vielfalt: Unterschiedliche blaugrüne Farben zeigen die verschiedenen Wassertiefen, Kiese, Sande und Totholz bilden ein Mosaik von Substraten. Alles wird geformt und überlagert von abwechslungsreichen Strömungsverhältnissen.

 

Stand 07.06.2021

Die Lippe hat derzeit eine relativ geringe Abflussmenge, die nur wenig über dem sog. mittleren Niedrigwasserabfluss liegt. Trotzdem sind im Renaturierungsbereich immer noch große Teilflächen überstaut und befeuchtet.

Und genau so soll es in einer möglichst naturnahen Flussaue sein. Mulden, Altverläufe und Geländesenken bleiben auch bei niedrigen Abflüssen über lange Zeiten eingestaut. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer artenreichen Auenlebensgemeinschaft.

 

Dem Lauf der Lippe als Leitlinie folgen zahlreiche Vogelarten auf ihren Wanderungen. Einige von ihnen, wie die Uferschwalben, die Flussregenpfeifer und die Austernfischer, haben die neu entstandenen Lebensräume spontan besiedelt.

Wie stellen sich die Renaturierungsflächen aus der Vogelperspektive dar?

Stand 01.06.2021

Die Austernfischer besuchen inzwischen die Lipperenaturierung als Paar. Sie suchen dort nach Nahrung, baden und putzen sich. Außerdem haben die beiden schon fleißig gebalzt und kopuliert. Vielleicht schreiten sie ja auch noch zur Brut...

Bei der Nahrungssuche stochern Austernfischer auf Wiesen und Weiden, aber auch im Wattenmeer gerne tief mit ihrem langen Schnabel im Boden, um leckere Würmer zu erwischen. In der renaturierten Lippe ist das Wasser stellenweise sehr flach. Dort laufen die Tiere fast bis zum Bauch im Wasser, tauchen bei der Nahrungssuche tief mit dem Kopf ins Wasser und gehen der Sache ordentlich auf den Grund...

Die Flussregenpfeifer sind da schon etwas weiter mit der Familienplanung. Einige Paare brüten bereits. Andere jagen sich noch über die Kies- und Sandbänke, führen ein sog. Scheinnisten auf, balzen intensiv und kopulieren auf den als Revierzentrum ausgewählten Kiesflächen.

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Prüfend stochert ein Austerfischer im flachen Wasser.

 
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Wenn es etwas zu holen gibt, folgt der komplette Körpereinsatz mit Eintauchen des Kopfes.

 
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Zwei Fluppis haben ihr Glück gefunden: eine kleine Kiesinsel in der neuen Lippe.

 
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Das Männchen versucht, das Weibchen mit Imponiergehabe, Fußtrippeln und sogar kleinen Tritten zu stimulieren.

 
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Offenbar mit Erfolg!

 
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Ein Austernfischer bei der Nahrungssuche in Flachwasserzonen der Lippe.

 
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Wettrennen bei den Flussregenpfeifern.

 
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In der Luft wird die volle Gefiederpracht gezeigt, um Konkurrenten zu beeindrucken.

 
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Drei sind einer zu viel...

 
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Uferschwalben verteidigen ihre mühsam gegrabenen Brutröhren gegen "feindliche Übernahmen".

 

Stand 25.05.2021

Austerfischer brüten bereits seit vielen Jahren unregelmäßig in der Lippeaue oberhalb Lippstadt. Diese Watvogelart sucht im seichten Wasser und im Grünland nach Würmern, Schnecken und Insektenlarven. Die ausgedehnten Wasserwechselzonen der Lipperenaturierung bieten für Austernfischer beste Nahrungsmöglichkeiten.

Wie begehrt die Sand- und Kiesbänke der renaturierten Lippe als Brutstätten sind, zeigen die Aktivitäten der Flussregenpfeifer. Während einige Paare bereits brüten, streiten sich andere immer noch heftig um die besten Plätze. Dabei rennen die Fluppis wieselflink über den Boden, zeigen bei schnellen Flugmanövern ihre volle Gefiederpracht und werden im Zweifelsfall auch sehr aggressiv, um Konkurrenten zu verdrängen.

Auch bei den Uferschwalben ist der Andrang groß. Die geselligen Vögel haben inzwischen an mindestens 4 Steilufern Brutröhren gegraben. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Immer wieder versuchen Schwalben die bereits fertig gegrabenen Röhren von Nachbarn zu übernehmen. Dabei gibt es heftige Auseinandersetzungen an der Steilwand.

Stand 08.05.2021

Mehrere Brutpaare des Flussregenpfeifers haben inzwischen im Renaturierungsbereich Reviere gebildet. Einige haben bereits mit der Brut begonnen. Altvögel und Eier sind auf dem Kiesuntergrund bestens getarnt. Leider kommt es immer wieder vor, dass von menschlichen Besuchern unbeabsichtigt und unbemerkt Bruten gestört und Gelege zertreten werden.

Der gesamt Renaturierungsbereich ist Naturschutzgebiet und darf von Unbefugten nicht betreten werden. Kanuten dürfen die Lippe befahren, aber nicht anlanden und aussteigen.

Wie zu erwarten habe sich nach der Rückkehr aus dem Winterquartier auch Uferschwalben an den Steilufern des Gebietes angesiedelt. Sie bauen dort gerade ihre Brutröhren und werden in wenigen Tagen mit der Brut beginnen. Auch die Uferschwalben sind gegenüber menschlichen Störungen empfindlich.

Die Lippe stellt für viele wanderende Tierarten eine wichtige Leitlinie dar. Und die Renaturierung in Sande bietet ideale Bedingungen für durchziehende Watvögel. Derzeit suchen z. B. Grünschenkel in den Flachwasserzonen nach Nahrung. Die Art ist in Skandinavien und nördlichen Tundrenzonen Brutvogel.

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Ein Flussregenpfeifer beobachtet von einem erhöhten Punkt aus das Umfeld seines Reviers.

 
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Der Partner hat bereits mit der Brut auf einer Kiesbank begonnen.

 
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Uferschwalben bauen ihre Brutröhren in einer steieln Uferwand.

 
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Sie sind Koloniebrüter. Oft siedeln mehr als 100 Brutpaare nebeneinander.

 
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Grünschenkel an der "Tankstelle Lipperenaturieurng".

 
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Flußregenpfeifer sind Pionierbesiedler von offenen und dynamischen Flussauen.

 
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Das Revier wird durch einen auffälligen Rundflug mit lauten Rufen markiert

 
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Bruchwasserläufer tanken in der Lipprenaturierung Energie für ihren Weiterflug in die nördlichen Brutgebiete.

 
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Stand 27.04.2021

Wasser, Kies und Sand in einer dynamischen Flussaue besitzen für Flußregenpfeifer eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Als Pionierbesiedler sind die Fluppis in der Lage, geeignete Lebensräume sehr schnell zu erobern. Die Renaturierung der Lippe bietet ausreichend Platz für die Ausbildung mehrerer Brutreviere.

Einige Fluppis haben die Kiesbänke und Sandufer bereits besiedelt. Sie suchen dort Nahrung, beginnen mit ihrer Balz und streiten um die besten Plätze. Gerne führen die Männchen um das Zentrum ihres Brutrevieres herum Flugmanöver aus, bei denen auffällig gerufen wird. Nach der Landung auf dem Boden wird das Gefieder abgespreizt, um größer zu erscheinen und Rivalen zu zeigen: Das hier ist mein Revier.

Flußregenpfeifer legen ihre Eier direkt auf den Kiesuntergrund. Wenn die Tiere brüten, sind sie bestens getarnt. Verlassen die Fluppis das Nest, sind die Eier kaum von den Kieselsteinen zu unterscheiden. Deshalb ist es absolut wichtig, Kies- und Sandbänke, Gewässerufer und Rohbodenflächen nicht zu betreten. Zu schnell ist ein Gelege der Fluppis zertreten.

Einige Bruchwasserläufer nutzen den Renaturierungsbereich derzeit als Tankstelle auf ihrem Zug. Diese Watvogelart brütet in den nördlichen Tundragebieten und ist bei uns als Zug- und Rastvogel zu beobachten. Sie haben in den Tropen und Subtropen der Südhalbkugel überwintert und tausende Kilometer zurückgelegt, bis sie die Lippe in Sande erreicht haben. Dabei haben sie sich am Flusslauf der Lippe orientiert und möglicherweise die breiten Wasserflächen über große Entfernungen bei nächtlichem Mondlicht wahrnehemn können.

Die Bruchwasserläufer suchen in flachen Uferbereichen und auf wenig überströmten Kiesbänken nach Larven von Eintagsfliegen, Käfern und Steinfliegen. Sobald sie ihre Reserven aufgefüllt haben, werden sie ihre Reise fortsetzen.