Entwicklung und Besiedlung

Blick über die Renaturierung in Richtung Westen, im Hintergrund ist der Heddinghauser See zu erkennen. Deutlich werden das vielgestaltige und breite Hauptgerinne der Lippe und die zahlreichen überstauten Auenflächen.

 
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Das Senkrechtbild eines Ausschnittes der Renaturierung zeigt die enorme Vielfalt: Unterschiedliche blaugrüne Farben zeigen die verschiedenen Wassertiefen, Kiese, Sande und Totholz bilden ein Mosaik von Substraten. Alles wird geformt und überlagert von abwechslungsreichen Strömungsverhältnissen.

 

Stand 07.06.2021

Die Lippe hat derzeit eine relativ geringe Abflussmenge, die nur wenig über dem sog. mittleren Niedrigwasserabfluss liegt. Trotzdem sind im Renaturierungsbereich immer noch große Teilflächen überstaut und befeuchtet.

Und genau so soll es in einer möglichst naturnahen Flussaue sein. Mulden, Altverläufe und Geländesenken bleiben auch bei niedrigen Abflüssen über lange Zeiten eingestaut. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer artenreichen Auenlebensgemeinschaft.

 

Dem Lauf der Lippe als Leitlinie folgen zahlreiche Vogelarten auf ihren Wanderungen. Einige von ihnen, wie die Uferschwalben, die Flussregenpfeifer und die Austernfischer, haben die neu entstandenen Lebensräume spontan besiedelt.

Wie stellen sich die Renaturierungsflächen aus der Vogelperspektive dar?

Stand 01.06.2021

Die Austernfischer besuchen inzwischen die Lipperenaturierung als Paar. Sie suchen dort nach Nahrung, baden und putzen sich. Außerdem haben die beiden schon fleißig gebalzt und kopuliert. Vielleicht schreiten sie ja auch noch zur Brut...

Bei der Nahrungssuche stochern Austernfischer auf Wiesen und Weiden, aber auch im Wattenmeer gerne tief mit ihrem langen Schnabel im Boden, um leckere Würmer zu erwischen. In der renaturierten Lippe ist das Wasser stellenweise sehr flach. Dort laufen die Tiere fast bis zum Bauch im Wasser, tauchen bei der Nahrungssuche tief mit dem Kopf ins Wasser und gehen der Sache ordentlich auf den Grund...

Die Flussregenpfeifer sind da schon etwas weiter mit der Familienplanung. Einige Paare brüten bereits. Andere jagen sich noch über die Kies- und Sandbänke, führen ein sog. Scheinnisten auf, balzen intensiv und kopulieren auf den als Revierzentrum ausgewählten Kiesflächen.

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Prüfend stochert ein Austerfischer im flachen Wasser.

 
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Wenn es etwas zu holen gibt, folgt der komplette Körpereinsatz mit Eintauchen des Kopfes.

 
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Zwei Fluppis haben ihr Glück gefunden: eine kleine Kiesinsel in der neuen Lippe.

 
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Das Männchen versucht, das Weibchen mit Imponiergehabe, Fußtrippeln und sogar kleinen Tritten zu stimulieren.

 
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Offenbar mit Erfolg!

 
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Ein Austernfischer bei der Nahrungssuche in Flachwasserzonen der Lippe.

 
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Wettrennen bei den Flussregenpfeifern.

 
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In der Luft wird die volle Gefiederpracht gezeigt, um Konkurrenten zu beeindrucken.

 
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Drei sind einer zu viel...

 
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Uferschwalben verteidigen ihre mühsam gegrabenen Brutröhren gegen "feindliche Übernahmen".

 

Stand 25.05.2021

Austerfischer brüten bereits seit vielen Jahren unregelmäßig in der Lippeaue oberhalb Lippstadt. Diese Watvogelart sucht im seichten Wasser und im Grünland nach Würmern, Schnecken und Insektenlarven. Die ausgedehnten Wasserwechselzonen der Lipperenaturierung bieten für Austernfischer beste Nahrungsmöglichkeiten.

Wie begehrt die Sand- und Kiesbänke der renaturierten Lippe als Brutstätten sind, zeigen die Aktivitäten der Flussregenpfeifer. Während einige Paare bereits brüten, streiten sich andere immer noch heftig um die besten Plätze. Dabei rennen die Fluppis wieselflink über den Boden, zeigen bei schnellen Flugmanövern ihre volle Gefiederpracht und werden im Zweifelsfall auch sehr aggressiv, um Konkurrenten zu verdrängen.

Auch bei den Uferschwalben ist der Andrang groß. Die geselligen Vögel haben inzwischen an mindestens 4 Steilufern Brutröhren gegraben. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Immer wieder versuchen Schwalben die bereits fertig gegrabenen Röhren von Nachbarn zu übernehmen. Dabei gibt es heftige Auseinandersetzungen an der Steilwand.

Stand 08.05.2021

Mehrere Brutpaare des Flussregenpfeifers haben inzwischen im Renaturierungsbereich Reviere gebildet. Einige haben bereits mit der Brut begonnen. Altvögel und Eier sind auf dem Kiesuntergrund bestens getarnt. Leider kommt es immer wieder vor, dass von menschlichen Besuchern unbeabsichtigt und unbemerkt Bruten gestört und Gelege zertreten werden.

Der gesamt Renaturierungsbereich ist Naturschutzgebiet und darf von Unbefugten nicht betreten werden. Kanuten dürfen die Lippe befahren, aber nicht anlanden und aussteigen.

Wie zu erwarten habe sich nach der Rückkehr aus dem Winterquartier auch Uferschwalben an den Steilufern des Gebietes angesiedelt. Sie bauen dort gerade ihre Brutröhren und werden in wenigen Tagen mit der Brut beginnen. Auch die Uferschwalben sind gegenüber menschlichen Störungen empfindlich.

Die Lippe stellt für viele wanderende Tierarten eine wichtige Leitlinie dar. Und die Renaturierung in Sande bietet ideale Bedingungen für durchziehende Watvögel. Derzeit suchen z. B. Grünschenkel in den Flachwasserzonen nach Nahrung. Die Art ist in Skandinavien und nördlichen Tundrenzonen Brutvogel.

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Ein Flussregenpfeifer beobachtet von einem erhöhten Punkt aus das Umfeld seines Reviers.

 
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Der Partner hat bereits mit der Brut auf einer Kiesbank begonnen.

 
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Uferschwalben bauen ihre Brutröhren in einer steieln Uferwand.

 
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Sie sind Koloniebrüter. Oft siedeln mehr als 100 Brutpaare nebeneinander.

 
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Grünschenkel an der "Tankstelle Lipperenaturieurng".

 
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Flußregenpfeifer sind Pionierbesiedler von offenen und dynamischen Flussauen.

 
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Das Revier wird durch einen auffälligen Rundflug mit lauten Rufen markiert

 
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Bruchwasserläufer tanken in der Lipprenaturierung Energie für ihren Weiterflug in die nördlichen Brutgebiete.

 
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Stand 27.04.2021

Wasser, Kies und Sand in einer dynamischen Flussaue besitzen für Flußregenpfeifer eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Als Pionierbesiedler sind die Fluppis in der Lage, geeignete Lebensräume sehr schnell zu erobern. Die Renaturierung der Lippe bietet ausreichend Platz für die Ausbildung mehrerer Brutreviere.

Einige Fluppis haben die Kiesbänke und Sandufer bereits besiedelt. Sie suchen dort Nahrung, beginnen mit ihrer Balz und streiten um die besten Plätze. Gerne führen die Männchen um das Zentrum ihres Brutrevieres herum Flugmanöver aus, bei denen auffällig gerufen wird. Nach der Landung auf dem Boden wird das Gefieder abgespreizt, um größer zu erscheinen und Rivalen zu zeigen: Das hier ist mein Revier.

Flußregenpfeifer legen ihre Eier direkt auf den Kiesuntergrund. Wenn die Tiere brüten, sind sie bestens getarnt. Verlassen die Fluppis das Nest, sind die Eier kaum von den Kieselsteinen zu unterscheiden. Deshalb ist es absolut wichtig, Kies- und Sandbänke, Gewässerufer und Rohbodenflächen nicht zu betreten. Zu schnell ist ein Gelege der Fluppis zertreten.

Einige Bruchwasserläufer nutzen den Renaturierungsbereich derzeit als Tankstelle auf ihrem Zug. Diese Watvogelart brütet in den nördlichen Tundragebieten und ist bei uns als Zug- und Rastvogel zu beobachten. Sie haben in den Tropen und Subtropen der Südhalbkugel überwintert und tausende Kilometer zurückgelegt, bis sie die Lippe in Sande erreicht haben. Dabei haben sie sich am Flusslauf der Lippe orientiert und möglicherweise die breiten Wasserflächen über große Entfernungen bei nächtlichem Mondlicht wahrnehemn können.

Die Bruchwasserläufer suchen in flachen Uferbereichen und auf wenig überströmten Kiesbänken nach Larven von Eintagsfliegen, Käfern und Steinfliegen. Sobald sie ihre Reserven aufgefüllt haben, werden sie ihre Reise fortsetzen.