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Stand August 2026

Ein Jahr später: Wehr 5 – die Lippe ist wieder durchgängig

Vor einem Jahr wurde am ehemaligen Wehr 5 bei Mantinghausen ein wichtiger Meilenstein für die Renaturierung der Lippe erreicht. Mit dem Rückbau des alten Kulturstauwehres und dem Bau einer naturnahen Sohlgleite wurde die ökologische Durchgängigkeit des Flusses wiederhergestellt. Gleichzeitig erhielt ein seit Jahrzehnten abgetrennter Altarm wieder Anschluss an die Lippe und damit die Chance, sich zu einem wertvollen Auenlebensraum zu entwickeln. 

Die Natur übernimmt

Bereits wenige Monate nach Abschluss der Arbeiten zeigte sich, dass die neu geschaffenen Strukturen von der Natur angenommen werden. Die ersten Erfolge sind bereits sichtbar: Die Weidensetzstangen haben Wurzeln geschlagen und treiben kräftig aus. Sie stabilisieren das Ufer und fördern die natürliche Entwicklung der Ufervegetation. Auch die eingebauten Totholzelemente und Wurzelstubben im Bereich der Sohlgleite und im Altarm erfüllen ihre Aufgabe: Sie schaffen Strömungsvielfalt, bieten Verstecke und fördern die natürliche Entwicklung des Gewässers. Erste kleinräumige Umlagerungen von Kies und Sand zeigen, dass sich die Gewässersohle bereits auf natürliche Weise weiterentwickelt. Dies ist ein wichtiger Prozess für die ökologische Dynamik der Lippe.

Die Gewässersohle wird zunehmend von Wasserpflanzen besiedelt. Sie stabilisieren den Lebensraum, verbessern die Wasserqualität und bieten zahlreichen Kleintieren sowie Jungfischen Nahrung und Schutz. 

Ein neuer Lebensraum entsteht

Besonders erfreulich entwickelt sich der wieder angebundene Altarm. Durch die dauerhafte Verbindung zur Lippe steht dort nun ganzjährig Wasser zur Verfügung. In der neu angelegten Bucht haben sich flache Uferbereiche und ruhige Wasserzonen ausgebildet. Diese bieten bereits ideale Bedingungen für zahlreiche Wasserinsekten, Amphibien und Jungfische. Gleichzeitig entsteht hier ein wertvoller Rückzugsraum, der sich deutlich von der stärker strömenden Lippe unterscheidet. 

Um diese empfindlichen Bereiche zu schützen, bleibt der Altarm für den Bootsverkehr gesperrt. So können sich Tiere und Pflanzen möglichst ungestört entwickeln.

Freie Wanderung für Fische

Mit der neuen Sohlgleite gehört das ehemalige Wanderhindernis für Fische und andere bodengebundene Gewässerorganismen der Vergangenheit an. Statt einer nahezu unüberwindbaren Stufe des früheren Kulturstauwehrs Wehr 5 verbindet heute eine naturnahe Riegel-Becken-Struktur Ober- und Unterwasser. Die unterschiedlich tiefen Becken und Strömungsbereiche ermöglichen Fischen und anderen Wasserorganismen die Wanderung flussauf- und flussabwärts. Gleichzeitig dienen die strömungsberuhigten Becken als Ruhezonen während des Fischaufstiegs. In diesen Bereichen lagern sich zudem Sand und Kies auf natürliche Weise um und schaffen abwechslungsreiche, für die Lippe typische Gewässerstrukturen.

Ein wichtiger Schritt für die Wilde Lippe

Die Umgestaltung des Wehrs 5 zeigt beispielhaft, wie technische Bauwerke durch naturnahe Lösungen ersetzt werden können. Aus einem alten Querbauwerk ist ein vielfältiger Flussabschnitt mit neuen Lebensräumen entstanden. Die Maßnahme leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und bringt die Lippe ihrem Ziel näher: wieder ein lebendiger, dynamischer Fluss zu werden. Durch die Maßnahme ist die Lippe 1. Ordnung im gesamten Regierungsbezirk Detmold nun weitestgehend für Fische durchgängig. 

Die weitere Entwicklung des Gewässerabschnitts wird in den kommenden Jahren aufmerksam begleitet. Auch wenn die Maßnahme in erster Linie der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit diente, tragen die Anbindung des Altarms und die naturnahe Gestaltung der Ufer dazu bei, dass sich neue Lebensräume entwickeln und die ökologische Qualität der Lippe nachhaltig verbessert wird.